Interview mit Bettina Muthmann von der Wolkenberg Winzerei

/Geschrieben am 07 Jul 2021
Interview mit Bettina Muthmann von der Wolkenberg Winzerei

Oben auf dem Weinberg, auf dem Gipfel des Wolkenbergs mit einem herrlichen Blick über die Reben und die flache Landschaft soweit das Auge reicht, beginnt Bettina Muthmann, die Inhaberin der Winzerei Wolkenberg, ihre Führung. Mit ihrem charmanten Humor stimmt sie alle sofort auf die Besichtigung, die Verkostung und die Geschichte des Wandels der Bergbauregion ein, in der sie seit vielen Jahren lebt.


Das 35 Hektar große Weingut liegt in einer der sonnenreichsten Gegenden Deutschlands, der Niederlausitz. Die Einzigartigkeit dieser Landschaft ist vor allem durch ihre Geschichte geprägt. Brandenburgs Weinanbaugebiete sind derzeit noch recht unbekannt. Bettina erklärt: "Vor rund 200 Jahren gab es in dieser Region mehr als 750 Hektar Weinberge, mehr als in Sachsen." Nach der Stilllegung des Tagebaus überlegten die Betreiber, wie sie diese Fläche rekultivieren könnten. Damals wurden in der Gegend Reste eines alten Weinbergs gefunden, und so entschied man sich, mit der Gründung des Wolkenbergs die Weinbaugeschichte Brandenburgs wieder aufleben zu lassen.

Das Zusammenspiel von
Natur und Mensch
schafft ein einzigartiges Erlebnis
auf dem Wolkenberg

In der Mitte des Weinbergs, zwischen den Rebstöcken, erklärt Bettina, dass sie nach einem erfolgreichen Pilotprojekt des Weinbaus am Wolkenberg im Jahr 2013 die Initiative ergriffen hat, dieses besondere Projekt am Leben zu erhalten und bis heute hauptberuflich weiterzuführen.

Unterstützung kam von dem bekannten Önologen Martin Schwarz von der Meißner Weinmanufaktur. "Als wir wussten, dass es funktioniert, konnte ich mir nicht vorstellen, das Projekt aufzugeben. Ich wollte mich wirklich engagieren und die Rekultivierung vorantreiben." Heute ist das rekultivierte Tagebaugebiet ein spannendes und hoffnungsvolles Beispiel dafür, wie sich die Natur erholen kann, wenn die richtige Absicht und Hingabe dahinter steht.

Bettina hat viel getan, um die Fruchtbarkeit des Bodens wiederherzustellen. Nun, ist sie seit 2015 mit ihren Weinen auf dem Markt und bietet mittlerweile elf verschiedene Sorten an. Im Verkostungsraum - einem kleinen Holzhäuschen am Fuße des Weinbergs, der "Besenwirtschaft" - können Besucher eine Auswahl der Weine verkosten. Einige der Rebsorten sind eine Rarität und bei Kennern sehr beliebt, wie z.B. der Rote Riesling.

Beim Besuch des Wolkenbergs fühlt man sich aus dem Alltag in ein besonderes Stück Natur versetzt

Begleitend zur Weinverkostung bietet Bettina eine Auswahl an regionalen Produkten, Käse und anderen Köstlichkeiten an und zeigt damit, wie lecker und vielfältig Brandenburg schmecken kann. Nicht umsonst beschreibt Bettina, dass sie auf dem Weingut das Gefühl hat, im Urlaub zu sein. Und genau dieses Gefühl hat man auch, wenn man Wolkenberg besucht: Weg vom Alltag, hinein in ein besonderes Stück Natur, mit lokalem Wein und Käse. Aber statt ins Ausland zu reisen, um dieses Erlebnis zu haben, ist es direkt vor der eigenen Haustür.

Embeded Video

Sowohl die Tour als auch die Verkostung sind gewürzt mit Geschichten über die Einzigartigkeit der Region und der Entwicklung des Weinbergs. Um ein erfolgreich produzierendes Weingut zu sein, musste Wolkenberg einige Herausforderungen meistern, wie zum Beispiel die Wasserversorgung des Geländes und die besondere Beschaffenheit des Bodens, nachdem er so viele Jahre lang abgebaut wurde.

Bettina erzählt auch eine Anekdote über einen Wolf, der sie jeden Morgen im Morgengrauen besucht. Jedes Mal verjagt sie ihn und passt auf, dass er die Trauben nicht frisst, weil sie in seinem Magen gären und ihn krank machen könnten. Nicht nur der Wolf, sondern auch die Vögel, die Kaninchen und sogar ihr Hund wollen die Früchte ihrer Arbeit naschen.

Mensch und Natur müssen hier weiter zusammenarbeiten,
damit sich die Natur vollständig
erholen kann

Das Zusammenspiel von Natur und Mensch macht den Wolkenberg zu einem besonderen Erlebnis. In der Ferne sieht man riesige Maschinen, die im noch funktionstüchtigen Tagebau Braunkohle abbauen. Hier, am Weinberg, sieht die Welt schon wieder anders aus, der Boden ist fruchtbar geworden, die Reben wachsen Jahr für Jahr und langsam siedeln sich wieder Tiere an. Trotzdem müssen Mensch und Natur hier weiter zusammenarbeiten, damit sich die Natur vollständig erholen kann.